Assassin’s Creed Review

Ubisoft will das Genre des Action-Adventures neu definieren – kann das mittelalterliche Schleich-Abenteuer unsere Erwartungen erfüllen?

Eines vorne weg – wer das Spiel noch nicht gespielt hat und vorher partout nicht wissen will, was auf ihn zukommt, sollte jetzt lieber Zeitung lesen gehen.

Was die Macher von Ubisoft uns mit Assassin’s Creed präsentieren sieht viel versprechend aus, steckt doch in der Idee, sich als Assassine in riesigen Städten wie Damaskus oder Akkon lautlos an seine Opfer anzupirschen ein wirklich großes Potenzial. Die Frage ist, ob Ubisoft mit diesem Potenzial auch umzugehen weiß und die Spielidee auch überzeugend auf den Next-Gen-Konsolen präsentieren kann. Zur Grundidee liefern uns die Franzosen dann gleich auch noch einen Interessanten Zeitreise-Ansatz, der schon vor Veröffentlichung des Spiels für mächtig Gesprächsstoff gesorgt hatte und der darin resultiert, dass wir rein technisch gesehen 2 Hauptcharaktere steuern dürfen. Wir sind gespannt.

Die Geschichte

Die Geschichte von Assassin’s Creed ist zweigeteilt und spielt sowohl in einer Großstadt in nicht all zu ferner Zukunft, als auch im Jerusalem zur Zeit des dritten Kreuzzuges im Jahr 1191 n Chr. Der Barkeeper Desmond Miles wird von einer recht rätselhaften Organisation Namens „Abstergo Industries“ entführt und netterweise in deren Labor einquartiert. Dort erfährt Desmond, dass er der Nachfahre eines der berühmtsten Assassinen ist und dass eben dieser Assassine Informationen besaß, die Abstergo benötigt. Und wie kommt man am besten an die Informationen eines längst verstorbenen Vorfahren? Na? Richtig! Man erfindet eine Maschine – in diesem Fall der Animus – die es einem ermöglicht, genetische Erinnerungen eines Individuums abzurufen. Also darf Desmond mit Hilfe des Animus in die Haut seines Vorfahren schlüpfen, um in der Vergangenheit nach Hinweisen zu einem Artefakt, welches Abstergo benötigt, zu suchen.

Die Präsentation

Assassin’s  Creed sieht, und das muss man einfach sagen, verdammt gut aus. Allein die schiere Größe der Städte, in denen man sich vollkommen frei bewegen kann, lässt einem kurzzeitig die Kinnlade offen stehen. Die Texturen der Oberflächen von Gebäuden sehen teilweise so echt aus, dass man keinen Unterschied zum Original erkennen kann (und das ist nicht einfach so dahin gesagt). Man hört ständig die Lobeslieder auf Uncharted, und fragt sich, wo Assassin’s Creed abbleibt, braucht der Ubisoft Titel doch zumindest in Sachen Aussehen den Vergleich mit Grafik-Monster Uncharted nicht zu scheuen.
Aufgrund der Gebäude-Masse sieht dann auch kein Haus aus wie das andere und so fällt einem die Orientierung manchmal nicht ganz leicht, was das ganze Spektakel noch ein wenig relativitätsnaher erscheinen lässt. Die Menschenmasse, die sowohl Fluch als auch Segen sein kann ist gut animiert, wenn auch leider nicht so nützlich wie angepriesen.
Ubisoft liefert uns in Assassin’s Creed genau genommen gleich 2 Hauptdarsteller, denn nachdem man sich zu Beginn des Spiels mit Desmond angefreundet hat, der eher zum vorantreiben der Geschichte in der Gegenwart nützlich ist, darf man in der Vergangenheit schließlich mit seinem Vorfahren und Assassinen Altaïr auf Reisen gehen.
Selbst wenn man mal nicht in einer der 4 riesigen Städte unterwegs ist gibt es jede Menge zu sehen, denn Altaïr muss auch das ein oder andere Mal per Pferd oder zu Fuß das restliche Königreich durchqueren. Wie auch in den Städten sind die Landschaften detailreich und schön anzusehen.
In Sachen Ton wiederum liegt eindeutig Uncharted vorne. Der Assassin’s Creed Soundtrack ist zwar kein schlechter, fällt aber relativ minimalistisch aus und kann mit dem cineastischen Soundmantel eines Uncharted nicht mithalten. Die deutsche Sprachausgabe ist gut wenn auch nicht überragend.
Es ist allerdings auch nicht alles Gold was glänzt:
Auch wenn das Problem mittlerweile durch ein downloadbares Spiele-Update behoben ist, Assassin’s Creed hatte auf der PS3 zu Beginn massive Probleme mit der Stabilität und so ist es dem ein oder anderen von uns schon mal passiert, dass das Bild mitten im Spiel eingefroren ist und wir die PS3 abschalten mussten (manchmal hat sie uns diesen „Gefallen“ auch ganz von alleine getan). Ärgerlich.

Das Gameplay

Die Spielidee, die Assassin’s Creed zugrunde liegt hat großes Potential, leider muss man gleich zu Beginn sagen, dass Ubisoft dieses Potential nicht ganz ausgenutzt hat.
Altaïr, der durch einen vermasselten Meuchel-Einsatz bei seinem Meister in Ungnade gefallen ist und zum Anfänger degradiert wurde, muss durch 9 Auftragsmorde beweisen, dass er eines Assassinen würdig ist und nebenbei das Heilige Land vor machthungrigen Templern retten. Klingt ja eigentlich schon mal sehr gut, nur bei der Umsetzung hapert es.
Die Auftragsmorde setzen sich dabei jedes Mal aus 2 Teilen zusammen: zuerst Informationen über sein Ziel sammeln und danach der eigentlichen Anschlag. Auch wenn man sich Mühe gegeben hat, die Missionen möglichst abwechslungsreich zu gestalten, kommt schon nach kurzer Zeit das Gefühl auf „das hatte ich doch schon Mal“. Zudem gibt es in jeder Stadt mehrere Nebenaufgaben, wie z.B. die Rettung von Bürgern oder das sammeln von verschiedenen Flaggen. Die Interaktion mit der lebendig wirkenden Menschenmasse klingt zwar zuerst klasse, ist aber leider nicht so gut gelungen wie wir uns es gewünscht haben. So gibt es zwar die Möglichkeit sich von den Bürgern auf der Flucht helfen zu lassen, indem sie z.B. die Verfolger aufhalten, leider funktioniert das aber nur mäßig und so ist man meistens doch gezwungen möglichst flott über die Dächer zu fliehen.
Im Kampf schlägt sich Altaïr erstaunlich gut, ist er doch sonst eher der leise-von-hinten-meuchelnde Typ. An Waffen stehen ihm Wurfmesser, Lang- sowie Kurzschwert und die versteckte Klinge an seinem Arm zur Auswahl. In einem offenen Kampf, sollte es denn dazu kommen, kann man seine Gegenspieler stilecht mit den verschieden Waffen, die man schnell und unkompliziert mit dem Steuerkreuz wechseln kann, zur Strecke bringen, sowie Block- oder Konterattacken ausführen. Besonders schöne Konter bekommt man dann auch noch mit Zoom und Zeitlupe gezeigt. Nett. Alles in allem liefert Assassin’s Creed ein recht stimmiges Gameplay ab.


Fazit

Ubisoft hat uns mit Assassin’s Creed viel versprochen – und leider nicht alles gehalten. Das mit diesem Titel noch einiges möglich ist steht außer Frage und der Cliffhanger, der einen am Ende erwartet und der geradezu nach einer Fortsetzung schreit, lässt uns darauf hoffen, dass Ubisoft aus seinen Fehlern lernt und im 2. Teil von Assasin’s Creed endlich das zeigt, was wirklich im Spiel steckt: nämlich einer der ganz großen Titel auf den Next-Gen-Konsolen.

Bewertung

Grafik                                     9/10

Sound                                     8/10

Gameplay                             8/10

Langzeit Motivation        7/10

Gesamt                                  8/10

Review von Sandy Friess