Beijing 2008 Review

41 Medaillen hat das deutsche Team bei den Olympischen Spielen in Peking geholt. 16 davon waren goldene. Diese Bilanz brachte immerhin den fünften Platz im Medaillenspiegel ein, nur China, die USA, Russland und Großbritannien waren erfolgreicher. Aber die vier Nationen werden wir auch noch kriegen, und zwar mit Beijing 2008, dem offiziellen Spiel von Sega zu den diesjährigen Spielen, wo ihr in 38 Disziplinen auf die Jagd nach Edelmetall gehen könnt.

Als erstes geht es ins „Vogelnest“ genannte Olympiastadion zu den Disziplinen der Leichtathletik. Hier beginnen wir mit den Sprints über 100, 200 und 400 Meter. In diesen Rennen müsst ihr einfach ohne taktische Finessen als erste die Ziellinie überqueren. Um euren virtuellen Läufer Beine zu machen stehen euch zwei Methoden zur Verfügung. Entweder ihr drückt schnellstmöglich und immer abwechselnd die X- und die O-Taste eures Controllers, oder aber ihr rüttelt in guter alter Decathlon-Manier einen der Analog-Sticks heftig hin und her, was zu längst vergangenen Joystickzeiten jedoch wesentlich besser klappte. Auf den längeren Strecken über 800 und 1500 Meter kommt noch eine taktische Komponente hinzu. Hier könnt und müsst ihr, um eure Gegner zu überholen, immer wieder die Bahnen wechseln. Auch solltet ihr immer einen Blick auf eure Ausdauer werfen, da diese, wenn ihr an der Spitze des Feldes lauft, besonders schnell abnimmt. Im Windschatten der Gegner Laufende können ihre Ausdauer aber auch wieder auffüllen. Beim Hürdensprint über 100 Meter bei den Damen, bzw. 110 Metern bei den Herren müsst ihr hingegen das richtige Timing für den Sprung (R2- oder L2 Taste) über die Hürden finden. Insgesamt lassen sich die Laufdisziplinen doch als ein wenig eintönig bezeichnen. Schön ist jedoch, dass man auf der Tartanbahn direkt gegen seine Kumpels antreten kann. Dies ist bei den technischen Disziplinen der Leichtathletik verständlicherweise nicht der Fall. Hier geht es nacheinander, bei Dreisprung, Speerwurf, Stabhochsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Weitsprung, Diskuswerfen und Hammerwerfen, an den Start. Die Steuerung ist hierbei recht unterschiedlich. Beim Hochsprung beispielsweise müsst ihr bei jedem Schritt, den euer Springer macht, die eingeblendete Taste drücken. Je besser ihr dabei im Rhythmus bleibt, desto schneller wird der Anlauf des Springers. Beim Hammerwerfen lasst ihr einen der Analog-Sticks im Kreis rotieren, um so den Kraftbalken eures kräftig gebauten Athleten aufzufüllen. Nun noch im richtigen Moment die R1-Taste gedrückt, nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang, und der Hammer kann jenseits der 80 Meter Marke einen Krater auf dem gut gepflegten Grün hinterlassen.

Nach den anstrengenden Wettbewerben der Leichtathletik unter der Sonne Pekings begeben wir uns zu den, hoffentlich abkühlenden, Wettkämpfen der Schwimmer und Turmspringer in den so genannten „Wasserwürfel“. Im olympischen Wasserbecken gehen wir über 50m Freistil, 100m Rücken, 100m Schmetterling und 100m Brust an den Start. Steuern lassen sich alle vier Schwimmstile gleich, ähnlich wie die Sprintstrecken der Leichtathletik. Beim Turmspringer müsst ihr euch von drei und zehn Metern ins Becken stürzen. Um gute Noten zu erhalten folgt ihr mit dem Analog-Stick einer sich im Kreis drehenden Kugel. Beim Sprung aus zehn Metern müsst ihr dies sogar mit beiden Sticks bewerkstelligen. Klingt ein wenig merkwürdig und langweilig? Ist auch leider so!

Den letzten großen Disziplinenblock bildet das Turnen, bei dem die Frauen beim Bodenturnen, auf dem Schwebebalken und am Stufenbarren an den Start gehen. Die männlichen virtuellen Athleten zeigen ihr Können an den Ringen, am Sprungpferd und am Parallelbarren. Als weitere Wettbewerbe folgen noch Radfahren (Vierer auf der Bahn), Gewichtheben, Schießen (Skeet, Schnellfeuerpistole, 10m-Luftpistole und Bogenschießen), Judo, Tischtennis und Kajak-Slalom. Vor allem die letzten beiden gehören zu den weniger gelungenen Disziplinen. Tischtennis spielt sich so was von langsam und entwickelt nicht ansatzweise die Dynamik, die es im richtigen Leben entfaltet. Und um mit dem Kajak auch nur einigermaßen sicher durch die Tor zu kurven, braucht man schon mehrere Tage Training der wirklich misslungenen Steuerung.

Die Präsentation des Spiels würde ich im Großen und Ganzen als gehobenen Durchschnitt bezeichnen. Die Grafik ist zwar durchaus okay, lenkt aber sicher niemals vom sportlichen Wettkampf ab. Dies ist mir höchstens mal beim Kajak-Slalom passiert. Ob dies allerdings an der missglückten Steuerung, oder an dem optisch schönen Wildwasser lag, will ich nicht beurteilen. Auch die Soundkulisse könnte sicherlich besser sein, so will leider keine richtige Stadionatmosphäre aufkommen. Zu mehreren macht das virtuelle Kräftemessen aber durchaus Spaß. Und wenn sich mal nicht bis zu vier Kumpels an einer Konsole versammeln können, so steht immer noch der Online-Modus zur Verfügung. Für Solo-Olympioniken gibt es den Modus Olympische Spiele, bei dem ihr pro Wettkampftag bestimmte Vorgaben erfüllen müsst (z.B. sich in zwei von vier Disziplinen für den Endkampf qualifizieren). Erst wenn ihr dies geschafft habt, könnt ihr den nächsten Tag in Angriff nehmen. Zwischen den Wettkämpfen könnt ihr eure Nationalteam noch in Bezug auf Geschicklichkeit, Kraft, Ausdauer und Geschwindigkeit verbessern.

Bewertung:

Grafik 6/10

Sound 5/10

Gameplay 6/10

Langzeit Motivation 6/10

Gesamt 6/10

Review von Oliver Müller (GhostDog)