Devil May Cry 4 Review
Capcom lädt erneut zur Dämonenjagt ein – Kann der neue Action-Kracher am Erfolg des Vorgängers anknüpfen oder ist Dante reif fürs Altersheim?
Mit Teil 1 definierten sie das Genre des Action-Games neu, mit Teil 2 lieferten sie einen der enttäuschensten Nachfolger der Videospielgeschichte ab, mit Teil 3 schafften sie, was nur wenige können: eine Rückkehr an die Spitze. Kann das Team von Capcom mit Devil May Cry 4 die Serie auch auf den Next-Gen-Konsolen an die Spitze führen? Ein erster Blick ist viel versprechend, den Neben Serienveteran Dante spendieren uns die Macher von Capcom einen neuen Helden: Jungspund Nero darf an der Seite unseres lieblings Halb-Dämonen ordentlich Gas geben und die Menschheit retten.
Die Geschichte zu Devil May Cry
2000 Jahre, nachdem sich Dämon Sparda gegen seine eigene Art gestellt und das Tor zur Unterwelt geschlossen hat, sehen die Menschen immer noch zu ihrem Retter auf. Als sich jedoch sein Sohn und Halb-Dämon Dante dazu entschließt, mitten in eine Zeremonie zu Ehren seines Vater zu platzen und den Anführer des heiligen Ordens mit seinen Revolvern Ebony und Ivory zu perforieren, fragt sich der verwirrte Zuschauer: Was ist denn da los? Ordensmitglied und Unruhestifter Nero, der jeden Dante-Look-Alike-Contest mit links gewinnen würde, fragt sich dasselbe und macht sich samt hübsch glühendem Dämonenarm auf die Suche nach Spardas abtrünnigen Sohn. Neben der ewigen Frage nach Gut und Böse darf sich Nero dann auch über die Rettung seiner Freundin Kyrie den Kopf zerbrechen, die wie so viele Frauen in der Videospielgeschichte das Pech hatte, entführt zu werden.
Die Präsentaion
Seit 6 Jahren begeistert uns Capcom jetzt schon mit der DMC-Serie, mal mehr und mal weniger, doch eines bleibt immer gleich: Die coolen Sprüche und die Action unterscheiden das japanophile Action-Spektakel von allen anderen Titeln des Genres. Und was wäre DMC ohne seinen eigenwilligen Humor, der uns zum Glück auch in diesem Teil der Serie erhalten bleibt.
Überraschend vielschichtig zeigt sich diesmal jedoch die Geschichte, ist DMC ja sonst nicht unbedingt für seinen tiefgründigen Story-Verlauf bekannt. Dies haben wir auch dem neuen Helden Nero zu verdanken, der, trotz so großer Ähnlichkeit zu Dante, einen netten Gegensatz in Sachen Charakter liefert. Wo Dante lieber einen coolen, wenn auch oberflächlichen Spruch über seine Lippen bringt, zeigt Nero, dass auch Halbdämonen mächtig im Gefühlschaos stecken können. Dabei geht Capcom überaus geschickt an das Thema des neuen Helden heran, sollte Nero doch nicht den erhofften Anklang bei den Fans der Serie finden, kann man immer noch auf Serienveteran Dante zurückgreifen.
Bleibt die Frage, ob DMC auch in HD überzeugen kann - kurze Frage, klare Antwort: Devil May Cry 4 sieht trotz kleinerer Schwächen einfach klasse aus und kann einen auf den ersten Blick davon überzeugen, dass Capcom mit der Serie den Schritt auf die Next-Gen-Konsolen geschafft hat. Dabei sehen sowohl die PS3- als auch die Xbox360-Version nahezu identisch aus und teilen sich die wunderschönen Kulissen und Echtzeit-Lichteffekte, sowie auch die teilweise grässlichen Schatten, die gerade in den Wald-Leveln den sonst so positiven Grafik-Gesamteindruck etwas schmälern. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Konsolen besteht dann in der doch etwas nervige Installations-Routine, die PS3-Besitzer vor Spielbeginn über sich ergehen lassen müssen und die in etwas kürzeren Level-Ladezeiten resultiert.
Auch in Sachen Sound sticht der neue Action-Kracher, wie auch schon seine Vorgänger, aus der Masse hervor und so dröhnen von wunderschönen, melodischen Klassik-Titeln bis zu harten Rock/Metal-Stücken die verschiedensten Facetten an Videospielmusik durch die Lautsprecher. Wer da das Glück hat ein gutes 5.1. Sound-System zu besitzen, erwischt sich gelegentlich dabei die Lautstärke ein wenig hochzudrehen.
In Punkto Charakter-Animation verzichtet Capcom auf alle Formen der Skelett-basierten Charakterphysik und setzt stattdessen lieber auf den altbekannten Katalog an Standart-Bewegungen. Angesichts der guten Umsetzung der Mimik und Bewegungen, sowie der aufreizenden Damenwelt sind solche Kleinigkeiten allerdings schnell vergessen. Auch das Gegner-Design kann überzeugen und die Figuren sind unglaublich detailreich und fantasievoll gestaltet.
Die Sprachausgabe ist gut und nur auf Englisch mit deutschen Untertiteln vorhanden, wobei die deutsche Übersetzung, wie so oft, nicht ganz das gelbe vom Ei ist.
Alles in allen legt Devil May Cry 4 ein überaus viel versprechenden Start auf den Next-Gen-Konsolen hin.Das Gameplay
DMC4 spielt sich wie seine Vorgänger extrem Action-lastig, wobei der Schwierigkeitsgrad im Vergleich zu DMC3 deutlich entschärft wurde. Dem Spieler stehen deshalb 2 Schwierigkeitsstufen zur Verfügung, Mensch oder Teufelsjäger. Wobei letztere schon recht knackig ist und dem Spieler einiges abverlangt.
Hat man sich dann für eine Stufe entschieden, geht es auch direkt bei 100% los. Die eingängige Spiel-Steuerung ist einfach und schnell zu lernen und bietet deshalb auch Einsteigern der Serie schnell Erfolgserlebnisse. Zudem kann man sich entscheiden, ob man Kombos lieber manuell oder mit Hilfe der Automatik ausführen möchte.
Das Spiel-Prinzip basiert wie bei seinen Vorgängern auf Missionen, in denen man durch besonders stylisches oder schnelles Kämpfen rote Orbs und Seelen verdienen kann, die sich wiederum im Spiel an bestimmten Punkten in neue Fähigkeiten oder Items eintauschen lassen. Auch kleine Geheimmissionen, die im Spiel versteckt sind und die es zu finden gilt, ermöglichen ein verdienen von Punkten zum aufleveln.
Mit DMC4 spendiert uns Capcom gleich 2 Hauptdarsteller, wobei man den Löwenanteil des Spiels mit Jungspund Nero unterwegs ist und sich Dante erst im letzten Drittel der Geschichte ein Stell-Dich-Ein gibt. Nero bietet dabei die interessantere Steuerung, denn ihm steht, neben Schwert und Schusswaffe, der Devil Bringer zur Verfügung: In Neros rechtem Unterarm hat sich ein Dämon eingenistet und der bringt allerlei nette Fähigkeiten mit sich. So kann man sich zum Beispiel Gegner aus der Umgebung greifen und sie in gewohnt cooler Manier in den Boden rammen. Dante bietet dafür gleich 4 unterschiedliche Kampfstile: Gunslinger, Swordmaster, Trickster und Royal Guard. Je nach Bedarf kann man so direkt während des Spiels zwischen den verschiedenen Stilen wechseln um sich dem Kampf anzupassen.
In den Online-Ranglisten kann man sich schließlich mit dem Rest der Welt oder einfach nur den Leuten auf der PS3 eigenen Friends-List messen und sich deren Spielverlauf und Missions-Ergebnisse ansehen.
Fazit
Dass sich Devil May Cry 4 zunächst wie eine Art Best-Of der Serie spielt, kann man dank HD-Grafik und Nero zum Glück schnell vergessen, auch wenn Fans der Reihe das ein oder andere Déjà-vu erleben werden. Das Game bietet Action für 3 Spiele und treibt, wie auch schon seine Vorgänger, die Coolness an die Grenzen des guten Geschmacks. Wer sich allerdings einmal in die Serie verliebt hat wird auch mit DMC4 glücklich werden und auch alle Neueinsteiger sollten an diesem Action-Spektakel ihre helle Freude haben. Sollte Capcom jedoch an eine Fortsetzung der Serie denken, wünschen wir uns ein bisschen mehr Innovativität, das alte Spielprinzip war zwar ein gutes, kann aber nicht ewig weiter geführt werden ohne deutlich an Reiz zu verlieren.
Bewertung
Grafik: 8/10
Sound: 8/10
Gameplay: 9/10
Langzeit Motivation: 8/10
Gesamt: 8/10
Review von Sandy Friess



