Heavenly Sword Review

Ninja Theory holt sich Hollywood-Unterstützung ins Haus – kann uns das PS3-exklusive Ergebnis Kino-echt vor den Fernseher fesseln?

Über 500 Leute waren an seiner Entwicklung beteiligt und auf die Frage, wie viel das Spektakel gekostet hat, antwortet Spielentwickler Ninja Theory mit „ne ganze Menge“. Worum es geht? Um Heavenly Sword. Mit an Bord Andy Serkis, der schon Hobbit-Mutant Gollum und King Kong seine Körperbewegungen und Mimik lieh und bei Heavenly Sword die Rolle des „Dramatic Director“ übernimmt.
 
Die Geschichte

Das Heavenly Sword, ist ein unglaublich mächtiges und uraltes Schwert, welches kein normaler Sterblicher führen kann ohne zu sterben, denn es entzieht einem langsam aber sicher die Lebenskraft. Nur der Auserwählte kann es schwingen ohne den Tod zu fürchten.
Dieser Auserwählte sollte, laut einer alten Prophezeiung, im Jahr des Feuerpferdes geboren werden. Doch genau in diesem  Jahr erblickt kein Jüngling das Licht der Welt, sondern ein Mädchen – Nariko.
Als Tochter des Anführers des Clans, der das himmlische Schwert schon seit Jahrhunderten beschützt, muss sie ein Leben als Aussätzige führen. Verstoßen von ihren eigenen Leuten und als Unheilbringer verbannt.
Als dann auch noch König Bohan, ein alter „Freund“ ihres Vaters und nebenher noch grausamer Tyrann, auftaucht und Narikos alten Herren und seine Gefolgsleute gefangen nimmt, scheint das Unglück perfekt.
Nariko entschließt sich, getrieben von Hass und dem Verlangen nach Rache, das Schwert zu benutzen, obwohl sie weiß, dass sie nun am Ende ihrer Reise der Tod erwartet. Und genau da Beginnt das Spiel – richtig, am Ende! Nariko stirbt in der finalen Schlacht gegen König Bohan durch das himmlische Schwert. Sie verschwindet jedoch nicht ins Jenseits, sondern gelangt in eine Art Zwischenwelt, in der sie durch das Heavenly Sword die Möglichkeit bekommt, die letzen 5 Tage ihres Lebens noch einmal zu erleben – und da springen wir als Spieler ein. Können wir das Schicksal Narikos doch noch ändern?

Die Präsentation

Dass an der Entwicklung von Heavenly Sword jemand mit Film-Erfahrung beteiligt war merkt man – und zwar verdammt deutlich. Andy Serkis war nicht nur als Dramatic Director am Geschehen zugange, sondern spielt nebenher auch noch König Bohan höchst persönlich. Jede einzelne Zwischensequenz des Spiels wurde mit modernster Motion-Caputring-Technik aufgenommen und ins Spiel übertragen. Noch in keinem Titel durften wir so überzeugende Bewegungen und vor allem Mimik erleben wie in Heavenly Sword. Dabei sticht vor allem die Performance von Andy Serkis selbst heraus, der König Bohan zu einem der wohl charismatischsten Bösewichte der Spielegeschichte werden lässt.
Neben der rein schauspielerischen Leistung der Charaktere gefällt vor allem die englische Originaltonvertonung, die einem wirklich das Gefühl gibt in einem Hollywood-Blockbusteer mitzuspielen. Die deutsche Synchronisation ist zwar gut, jedoch nicht annähernd so mitreißen wie das Original. Wer also des Englischen halbwegs mächtig ist, sollte sich bei der Sprachauswahl einen kurzen Moment Zeit zum überlegen lassen. 
Grafisch kann der Ninja Theory Exklusivtitel auch punkten. Bis auf ein paar kleine Kritikpunkte, läuft das Geschehen vor einwandfrei prachtvollen Kulissen ab. Es gibt zum Beispiel, bei einigen Spielsequenzen, mit vielen Gegnern auf dem Bildschirm, geringe Slow-Downs.
Zur cineastischen Bilderflut dürfen wir dann auch noch einen wunderbaren, orchestralen Soundtrack genießen. Das gefällt.
Was aber ganz und gar nicht gefällt und das Große (mit Ausrufezeichen!) Manko von Heavenly Sword ausmacht ist die Spielzeit. Die beträgt nämlich, je nach Geschick des Spielers, nur 5-7 Stunden und das ist ganz einfach zu wenig. Wer da gleich zum Erscheinungstermin des Spiels zugegriffen hat, wird sich über den guten Schnitt von ca. 10€ pro gespielter Stunde herzlich gefreut haben…

Das Gameplay

Heavenly Sword basiert auf einem Kampfsystem mit 3 unterschiedlichen Grundstellungen: Tempo-Stellung, Reichweite-Stellung und Power-Stellung. Die Tempo-Stellung ist Narikos Standartstellung mit dem himmlischen Schwert. In dieser Stellung kann sie blitzschnelle Abgriffe mit zwei mittelstarken Schwertern ausführen. Mit drücken von L1 und den Angriffstasten kann man sekundenschnell zur Reichweite-Stellung wechseln, in der die beiden Klingen an Ketten durch die Gegend wirbeln. So kann Nariko zwar viele Angreifer gleichzeitig erreichen oder Pfeile abwehren, die Attacken sind jedoch schwach und Blocken ist ihr nicht möglich. Mit R1 und den Angriffstasten wechselt man hingegen in die Powerstellung. Aus 2 Schwertern mach 1 und Nariko hat eine langsame aber ungemein mächtige Waffe in der Hand, mit der man auch die härtesten Nüsse knacken kann.
Zudem kann man in Heavenly Sword blocken und Konterangriffe ausführen. Das Blocken geschieht dabei automatisch, man muss jedoch die Schwertstellung je nach Art des abzuwehrenden Angriffs wechseln. Das erkennt man an der Farbe, in der ein Angriff leuchtet. Da auch Narikos eigene Angriffe in den gleichen Farben leuchten, weiß man immer genau welche Stellung man wählen muss. Wenn man im Richtigen Augenblick eines Blocks dann auch noch Dreieck drückt, führt man einen Konter aus.
Der zweite spielbare Charakter in Heavenly Sword ist Narikos adoptiv Schwester Kai, die durch ihre Nebenmissionen eine nette Abwechslung ins Spielgeschehen bringt. Kai ist zwar nicht annähernd so stark wie ihre große Schwester, bringt aber eine Armbrust mit, deren Pfeile man per SixAxis-Bewegungssensoren steuern kann. Das funktioniert so gut, dass man auf die optionale Kontroller-Steuerung voll und ganz verzichten kann. Mit am Pfeil justierter Kamera, lässt sich der Schuss schließlich stilecht vom Anfang bis zur schmerzlichen Landung verfolgen. Das gleiche Prinzip kommt auch bei Narikos kurzen Kanonen-Einlagen zum tragen.

Fazit

Keine Frage, Heavenly Sword bietet eine kinoreife Inszenierung, was ohne Zweifel auch an der Mitarbeit von Ex-Hobbit Andy Serkis liegen mag – doch all das kann uns nicht davon ablenken, dass einen nur knapp 5-7 Stunden Spielzeit erwarten, von der geringen Langzeimotivation mal abgesehen. Für einen Titel dieses Kalibers ist das einfach zu wenig und deswegen gibt’s Abzüge in der B-Note.

Bewertung

Grafik                                   9/10

Sound                                   8/10

Gameplay                           9/10

Langzeit Motivation       5/10

Gesamt                                 8/10

Review von Sandy Friess