Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Review

Konami ruft zur letzten Schleichmission – bietet der finale Teil der legendären Saga den erhofften grandiosen Abschluss oder ist Snake doch schon reif fürs Altersheim?

Seit alles am 8. Juni 1987 mit dem ersten Metal Gear begann, schreibt HideoKojima mit der Saga eine Erfolggeschichte. Kaum eine Spielereihe konnte sich durchweg so guter Kritiken und Reaktionen sowohl von Seiten der Fans als auch der Fachpresse erfreuen. Umso gespannter waren wir natürlich auf das Ende. Wie würde das letzte Kapitel im Leben dieses außergewöhnlichen Heldens aussehen? Jetzt ist es da und in einer Zeit, in der die Spielewelt nur so von jungen, metrosexuellen Helden wimmelt, ist es mehr als erfrischend, ein Mann mit Ecken, Kanten und Rückenproblemen über den Bildschirm flimmern zu sehen. Wie sich Solid Snake in seinem letzten Abenteuer schlägt wollen wir hier versuchen zu klären.

Die Geschichte

Eins vorne weg – wer sich ein wenig mit der MG-Saga auskennt weiß, dass besonders auf die Geschichte wert gelegt wird und so mag es nicht verwundern, dass auch der 4. und letzte Teil mit einer grandios inszenierten Storyline aufwarten kann. Um den Rahmen des Reviews allerdings nicht auf die Ausmaße eines „Herr der Ringe“ auszudehnen wollen wir uns mehr oder weniger auf die Quintessenz konzentrieren.

„War has changed“ Ja, der Krieg hat sich verändert und diese Aussage darf sich im Hintergrund wie ein roter Leitfaden durch das Spiel ziehen.
In nicht all zu ferner Zukunft ist die gesamte Weltwirtschaft vom Krieg abhängig. Jeder Soldat, jede Waffe, jedes Fahrzeug ist mit einer ID ausgestattet, die jederzeit überwacht und manipuliert werden kann. Privatarmeen kämpfen Stellvertreter-Kriege für den meist Bietenden. Krieg ist zur Handelsware geworden, kontrolliert durch die Patriots – eine mysteriöse Organisation von der man nicht einmal weiß, ob sie existiert oder nicht.
In dieser vom Krieg zerrissenen Welt treffen wir wieder of Solid Snake, der auf unerklärliche weise stark gealtert ist. Als Snake von seinem alten Vorgesetzten Roy Campell kontaktiert wird erfährt er, dass Liquid Ocelot (Fans dürften wissen, wie dieser Name zustande kommt), sein Erzfeind und „Bruder“ im nahen Osten samt Privatarmee gesichtet wurde. Snake macht sich auf um seine letzte Mission zu erfüllen. Was steckt wirklich hinter Liquids Erscheinen? Kann Snake ihn aufhalten? Und noch wichtiger – wir er dafür überhaupt lange genug leben?

Die Präsentation

Was soll man dazu sagen? HideoKojima, der Mann, der gerne Regisseur geworden wäre, hat sein Meisterstück abgegeben. Natürlich, die anderen MG Teile, vor allem der erste, revolutionierten wenn nicht sogar etablierten erst das Genre der „TacticalEspionage Action“. Doch was könnte schwieriger sein, als eine Saga dieses Kalibers zu einem Abschluss zu bringen, der Fans und Kritiker gleichermaßen in Freudentränen ausbrechen lässt? Denn genau das ist Herrn Kojima gelungen. In einer Regie-Meisterleistung, die in 5 Akten alle Fäden gekonnt zusammen führt, alle offenen Fragen beantwortet, alle Geschichten zu einem Ende bringt. Kaum ein anderes Spiel hat es bis jetzt geschafft so überzeugende Charaktere auf den Bildschirm zu bannen und so ist man von der 1. Minute an emotional an Solid Snake und seine Kameraden gebunden. Der einzige Nachteil: Serien-Neulinge werden sich durch die Menge an Informationen eventuell schnell überfordert fühlen – wer das Spiel also auf ganzer Linie genießen will, sollte sich vielleicht vor dem Kauf einem Metal Gear Crashkurs unterziehen.
Für Kenner der Serie wird es dann ein Wiedersehen mit vielen alten Freunden und Feinden sein, eines, das man nicht so schnell vergisst.
Auch auf der technischen Seite kann Snakes letztes Abenteuer überzeugen. Die Grafik ist gelungen und auch wenn man hier und da etwas magere Texturen bemängeln kann und die Schatten teilweise etwas abgehackt wirken bleibt der Gesamteindruck doch ein positiver. Im Vergleich zu Uncharted scheint MGS4 auf den ersten Blick schlechter abzuschneiden, doch wo Metal Gear etwas fade scheint, ist Uncharted ein wenig zu bunt – das schafft den Ausgleich.
Und sollte man sich aus irgendwelchen Gründen doch nicht mit der Grafik anfreunden können bleibt noch der, ich nenne ihn mal: GENIALE Soundtrack. Komponiert von Harry Gregson-Williams kann dieses Stück Videospiel-Musik mit den ganz großen Hollywood-Blockbustern mithalten. Von den perfekten Soundeffekten mal ganz abgesehen.
Selbst, dass nur die englische Synchronisation mit deutschen Untertiteln vorhanden ist kann nicht wirklich als Nachteil angesehen werden. Dürfen wir doch, dank Sprechern wie David Hayter, eine unglaublich authentische Synchronisation bewundern, die mir deutscher Umsetzung definitiv nur an Glaubwürdigkeit verloren hätte.
Und letztendlich: Die kinoreifen Zwischensequenzen. Sind wir aus den Vorgängern schon lange Storysequenzen gewohnt dürfen wir uns hier auf eine kompromisslose Weiterführung dieses Prinzips freuen. Und was den ein oder anderen Hardcore-Gamer vielleicht am Spielfluss stören mag empfanden wir nur als grenzgenial – Licht aus, Bier auf, zurücklehnen, genießen.

Das Gameplay

MGS4 geht einen leicht anderen Weg als seine Vorgänger. Sicher, möglichst unbemerkt von A nach B zu kommen ist immer noch Priorität, allerdings lässt uns HideoKojima diesmal die Wahl, ob wir lieber durch Häuser und Gräben kriechen oder den offenen Kampf suchen. MGS4 lässt sich sehr Shooter-lastig spielen – wenn das denn erwünscht ist. Dank neuem, automatisch tarnenden Kampfanzug und gekonnten Schleich- und Kriechbewegungen wird das aber kaum der Fall sein.
Dank enormer Waffen – und dazugehöriger Modifikationsauswahl hat man dann im Ernstfall auch auf jeden Fall die richtige Waffe und Munition zur Hand. Beides kann man auch jederzeit bei Drebin, einem Waffenhändler, kaufen und verkaufen.
Nebst ausgerüsteter Waffen kann Snake auch jede Menge heilende Objekte und andere nützliche Dinge mit sich herumtragen. Selbst ein iPod ist dabei und wer keine Lust auf die übliche Geräuschkulisse eines Schlachtfeldes hat kann sich stattdessen verschiedene Musikstücke aus vergangenen MG Teilen anhören.
Am eigentlichen Spielprinzip hat sich nach wie vor nichts geändert. Mit Hilfe der richtigen Taktik und Ausrüstung gilt es sich einen Weg durch ein von Feinden belagertes Gebiet zu bahnen. Dabei ist eigentlich keiner der Gegner wirklich Freund oder Feind, (mal von LiquidsPrivartarmee abgesehen) also sollte man es sich z.B. gut überlegen, ob man in die Kämpfe zwischen 2 Parteien eingreift. Allerdings kann es auch von Vorteil sein, der ein oder anderen Gruppe zu helfen…
Im Spielgeschehen selber hat man dann genau auf Snakes Werte zu achten. Neben der Gesundheitsanzeige gilt es auch seine Psyche und sein Stresslevel zu beobachten. Steht Snake z.B. unter zu großen Stress zielt er ungenauer und seine Gesundheit füllt sich langsamer auf.
Dank dem Solid Eye, einem künstlichen Auge, das Snake in einer Art Augenklappe tragen kann, ist es ihm möglich jederzeit Informationen über seine Gegner auf dem Schlachtfeld zu erhalten. Auch als Nachtsichtgerät und Fernglas lässt sich das gute Stück einsetzen. Auch hier gilt es etwas zu beobachten – und zwar den Akkuladestand Solid Eyes, ist der nämlich leer, geht für eine Weile gar nichts mehr und man ist auf seine Instinkte angewiesen.
Sollte man sich in einem Gebiet nicht zurechtfinden bzw. sich von der Anzahl der Gegner etwas im Handlungsraum eingeschränkt fühlen gibt es noch den MKII. Einen kleiner Roboter, der normalerweise von Otacon aus dem Nomad gesteuert wird und Snake getarnt folgt. Diesen kann man auch selbst steuern und so mögliche Gefahren erkennen und falls nötig Gegner austricksen oder mit einem kleinen Stromschlag betäuben. Ebenso wie beim Solid Eye gilt es auch hier den Akkuladestand zu beobachten.
Sollte ein Kampfdann doch mal unausweichlich sein, obSchusswechsel oder Nahkampftechnik, das Spiel bietet unzählig viele Möglichkeiten seinen Gegner im Ernstfallauszuschalten, zu entwaffnen oder einfach nur zu beklauen.
Auch die Bosskämpfe können überzeugen – bei denen das Gegnerdesign absolut gelungen ist. Die Kämpfe sind wunderbar abwechslungsreich und verlangen möglichst nach der richtigen Technik und wie schon so oft im Rest des Spieles, gibt es auch hier die ein oder andere kleine Überraschung…

Werdas Spiel dann nach 25- 30 Stunden das erste mal durchgespielt und die entstandenen Emotionen verdaut hat, darf sich auf die unglaublich große Zahl an Extras, Download Content und EasterEggs im Spiel freuen die es immer noch zu entdecken gilt. Mal von Metal Gear Online abgesehen, einem wirklich gelungenem Online-Modus, der dieses nahezu perfekte Spielerlebnis abrundet.

Fazit

Ein legendärer Soldat. Eine letzte Mission. Das größte Opfer.

Metal Gear Solid geht – und mit ihm Solid Snake. Aber nicht ohne einen großen Knall und der Gewissheit, dass man auch noch in Jahren auf diesen Giganten der Spielegeschichte zurückblicken wird, sind diese doch in Zeiten der CasualGames selten geworden. Ein grandioser Abschluss einer grandiosen Reise.

Pflichtkauf für alle PS3-Besitzer!

Bewertung

Grafik 9/10
Sound 10/10
Gameplay 10/10
Langzeit Motivation 9/10

Gesamt 10/10


Review von Sandy Friess