Uncharted – Drakes Schicksal Review

Auf Schatzsuche mit Nathan Drake - Hält Sonys Action-Adventure dem Vergleich mit der „Golden Lady“ des Genres Lara Croft stand?

Machine Gun im Jeep - Action in Uncharted

Was die Jack & Daxter-Macher aus dem Hause Naughty Dog mit Uncharted abliefern, macht der guten Lara mächtig Konkurrenz. Es gehört zur Firmenpolitik Naughty Dogs stets immer nur an einem Titel zu arbeiten, um eine höchst mögliche Qualität zu sichern – und Junge, das ist ihnen gelungen!
Was Hauptcharakter Nathan Drake nicht an überzeugenden Argumenten in knappem Oberteil, Hotpants oder Archäologie-Studium hat macht er durch Charme und coole Sprüche wieder gut. Indiana Jones lässt Grüßen. Auch Nathans Vorfahre, der ihm seinen Nachnamen leiht, ist kein Unbekannter sondern Sir Francis Drake persönlich. Dieser war Entdecker und Freibeuter und umsegelte im 16. Jahrhundert als erster Engländer die Welt.

Die Geschichte

Der beste Freund von Drake - seine Waffe!Als Nathan irgendwo in der Karibik, in der Begleitung der hübschen und wortgewandten Reporterin Elena Fisher, einen großen Steinsarg an Bord seines Bootes hievt, ahnt keiner der beiden, was da auf sie zukommt. Es soll der Sarg von Sir Francis Drake höchst persönlich sein, den Nathan, mit in einen Ring gravierten Koordinaten, gefunden hat. Doch im Sarg liegt kein toter Freibeuter, sondern ein Tagebuch – das Tagebuch von Sir Francis Drake. In diesem Buch finden sich Hinweise und Notizen auf einen Schatz, den sagenumwobenen Schatz von El Dorado. Und was wäre Nathan Drake für ein Schatzjäger, wenn er sich diesen Leckerbissen durch die Lappen gehen lassen würde. Mit Elena und seinem schon etwas in die Jahre gekommenen Freund Sullivan im Schlepptau beginnt für Nathan das Abenteuer seines Lebens – auf den Spuren seines berühmten Urahnen.
 

Die Präsentation

Atemberaubend - Wo gehts weiter?Entwickler Naughty Dog setzt bei Uncharted auf seine eigens für die PS3 entwickelte Engine um das Potential der Konsole möglichst voll auszunutzen – und das ist auch gut so, den Uncharted sieht einfach fantastisch aus.
Als Spieler ertappt man sich des Öfteren beim Sightseeing in den teilweise atemberaubenden Kulissen. Ob Urwald, Ruinen, alte Klöster, geheime Bunker oder riesige U-Boote mitten im Amazonas – Uncharted weiß mit seinen cineastischen Schauplätzen und Kulissen zu überzeugen. Die detailgenauen Regenwälder glänzen mit tollen Licht- und Bewegungseffekten in Bäumen und Gräsern, die Texturen von alten Gemäuern und Böden wirken überaus authentisch und das Wasser wabbelt so schön und realistisch wie nie zuvor über den Bildschirm. Alles in allem liefert Uncharted ein überaus Stimmiges Gesamtbild in Sachen Grafik ab.
Doch Aussehen ist bekanntlich nicht alles und so bleibt die Frage, ob auch die Sound-Kulisse dermaßen überzeugen kann. Sie kann es. Naughty Dog hat seinem PS3-Exklusivtitel einen wunderbaren, orchestralen Sound-Mantel verpasst, der sich auch gerne mal etwas exotischerer Instrumente bedient.

Auch Charakter-Design und Animation können überzeugen. Wenn auch die Mimik nicht ganz an die Brillianz von Heavenly Sword heranreicht, die Protagonisten wirken jederzeit glaubwürdig und gut animiert. Die deutsche Sprachausgabe ist sehr gut, wenn sie auch, wie so oft, nicht ganz an das englische Original heranreicht.

Das Gameplay

Action Pur... Schusswechsel und Explosionen gehören zu Drakes' AlltagUncharted bietet die Genre-typischen Kletter- und Rätsel-Einlagen genau wie Tomb Raider, spielt sich allerdings durch die dynamischen Schusswechsel wesentlich Action-lastiger. Die Rätsel sind dabei leider alle relativ leicht zu lösen, auch dank der Hilfe von Sir Francis Drakes Tagebuch, welches allerhand nützliche Tipps enthält. Auch kann man sich, wenn man partout nicht weiter kommt, eine Hilfe einblenden lassen. 
Waffen-Vielfalt ist in Uncharted ausreichend vorhanden. So kann man, je nach Level, zwischen 9-Millimeter-Knarren, Pumpguns, Scharfschützengewehren, Maschinenpistolen und anderen Nettigkeiten wählen. Auch Elena unterstützt einen bei so manchem Schusswechsel tatkräftig, was ungemein wichtig ist, denn die KI der Gegner ist alles andere als dumpf. Söldner, Piraten und alles andere Gegnerische reagieren blitzschnell auf die Situation und versuchen sich Nathans Schüssen zu entziehen und so manche, hart erkämpfte Deckung, wird durch die intelligente Gegnerflut zunichte gemacht. Ist die Munition dann doch mal alle, kann man immer noch auf rohe Gewalt setzen und seinen Gegnern durch bestimmte Tastenkombinationen ordentlich eins auf die Mütze geben.
Nathan und Elena sind bei ihren Ausflügen ins Hinterland auch durchaus nicht immer zu Fuß unterwegs, gelegentlich darf man so z.B. Jeeps oder Jet-Skis steuern. Dabei wechseln sich die beiden bei ihren Rollern ab, einer fährt und der andere entledigt sich eventuell anfallender Gegenspieler. Solche Einlagen sind eine willkommene Abwechslung zum normalen Spielablauf.
Der Langzeitmotivation dienlich sind lauter kleine Schätze, die durch das komplette Spiel hindurch verteilt sind und die es zu finden gilt. Auch kann man sich durch das erreichen bestimmter Ziele, z.B. das erfolgreiche Erledigen 50 Gegner mit der selben Waffe, Punkte verdienen. Durch diese wiederum kann man sich Goodies freischalten, so z.B. neue Outfits für Nathan.

Fazit

Uncharted wird sicherlich keinen Innovations-Preis gewinnen, dafür ist die Ähnlichkeit zu Genre-gleichen Titeln wie Tomb Raider oder zu Filmen wie Indiana Jones einfach zu groß. Allerdings tut dieses kleine Manko dem Gesamteindruck, den Naughty Dogs Meisterstück beim Spieler hinterlässt, keinen Abbruch. Wie sagt man doch so schön: Besser gut geklaut, als schlecht neu erfunden! Uncharted kann trotz kleinerer Abstriche überzeugen – und das auf ganzer Linie. Wenn man dann nach über 10 Stunden wie gebannt den Kontroller aus der Hand legt weiß man mit Sicherheit, dass man eben einen der ersten wirklichen top Next-Gen-Titeln genießen durfte.

Bewertung

Grafik: 9/10

Sound: 9/10

Gameplay: 8/10

Langzeit Motivation: 8/10

Gesamt: 9/10

Review von Sandy Friess